Geschichte

Bild: Das Niehorster Schützenvolk vor dem Umzug anlässlich des 1. Schützenfestes 1925

Nach dem schrecklichen 1. Weltkrieg, in wirtschaftlich unsicherer Zeit, bestand in der Bevölkerung das Bedürfnis, durch regelmäßige Zusammenkünfte gemeinsame Probleme zu erörtern und zu meistern, aber auch in heiteren Vergnügungen und Festen Entspannung und Ablenkung zu finden. So kam es auch in Niehorst, einer Gemeinde ohne Ortskern, besiedelt mit einigen Waldbauern und einer Anzahl mittlerer Höfe, im Frühjahr 1924 zu der Absicht, den Zusammenhalt unter der Bürgerschaft durch einen Verein zu fördern und alle Bewohner, die nach Geselligkeit streben, darin zu vereinen. Es hatte angefangen mit einem zwanglosen Gespräch unter einigen Bauern in Niemöllers Stube und endete mit dem festen Beschluss, einen Schützenverein in Niehorst zu gründen. Bald wurde eine Gründungsversammlung durchgeführt, bei der sich viele Niehorster als Mitglieder eintragen ließen.

 

Im ersten Jahr wurden nach dem Muster des Marienfelder Schützenvereins die Statuten beschlossen, ein Gewehr für Schießübungen angeschafft und eine Theatergruppe für das erste Winterfest bei Kunstmann zusammengestellt. Die Einladungen zu den Veranstaltungen führte viele Bewohner Niehorsts zu fröhlicher Gemeinschaft zusammen. So bot sich durch den Schützenverein manche Gelegenheit, mit den Nachbarn zusammenzukommen, sie näher kennenzulernen und im Gespräch Vorurteile abzubauen und Freundschaften zu schließen.

 

Natürlich lebt ein Verein von den Mitgliedern, die sich für ihn durch ein Amt besonders verantwortlich fühlen und die durch Wort und Tat anderen Vereinsangehörigen ein gutes Beispiel geben. Was dem Einzelnen in der Frühzeit die Schützengesellschaft wert gewesen war, geht aus den diversen Stiftungen hervor. Der erste König August Strothenke stiftete die wertvolle Schützenkette. Ebenso fand sich schon bald ein Vereinsmitglied, das für den Kauf der Vereinsfahne den damals hohen Betrag von 800 RM auf den Tisch legte. Die Opferfreudigkeit der Mitglieder garantierte dem Verein trotz der vielen Anschaffungen eine gute Kassenlage. So wurde der Schützenverein Niehorst bald ein angesehener Verein im Raum Isselhorst und Gütersloh. Viele Bewohner aus diesem Bereich ließen sich in die Mitgliederliste eintragen.

 

Der 2. Weltkrieg brachte unser Vereinsleben von 1940 bis 1955 zum Erliegen.

 

Nach dem Krieg, als die größte Not der Bevölkerung überwunden schien, die Flüchtlinge wohnlich untergebracht und menschlich eingegliedert wurden, als die DM wieder einen stabilen Wert bekam und die größten Kriegsschäden an den Höfen behoben waren, besann man sich in Niehorst wieder auf den Schützenverein als eine Möglichkeit, nun auch gesellschaftlich wieder alte Bande zu knüpfen und alte Vereinstraditionen wieder neu aufleben zu lassen. Alle noch lebenden Mitglieder wurden in der Nachkriegszeit aufgespürt und Einladungen an sie versandt mit dem Zweck, den Schützenverein Niehorst zu neuem Leben zu erwecken. In der Versammlung vom 31. Juli 1954 wurde die Neubegründung beschlossen. Im Laufe der Zeit wurden die Statuten den neuen Verhältnissen angepasst.

Wo in den ersten Vereinsjahren in einem eigens gebauten Schießhäusschen auf dem Grundstück unseres Schützenbruders Heinrich Verlegers dem Schießsport nachgegangen wurde, stand dieses nach der Reaktivierung des Vereins nicht mehr zur Verfügung. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde mit einem geliehenen Luftgewehr im Saale Kunstmann auf provisorischen Bahnen der Sportbetrieb wieder aufgenommen. Nach einiger Zeit beschloss man jedoch einen neuen Schießstand zu bauen. Geradezu ideal für diesen Zweck erschien die Pergola im Garten unseres Vereinslokals Kunstmann. Die Vertragsformalitäten mit dem Wirt Heinrich Kunstmann waren bald unter Dach und Fach und erneut ging es an die Arbeit, um das zu schaffen, was heute allen interessierten Schützen nicht nur unseres Vereins zur Verfügung steht. Zur Deckung der Materialkosten bezahlten damals viele Kameraden ihren Beitrag für fünf Jahre im Voraus. Im Jahre 1971 folgte dann ein Adlermast, nachdem jahrelang auf einen aufgehängten Kugelfang in einem Baum geschossen wurde. Dieser neue Adlermast, der mit einem Getriebe hoch- oder heruntergekurbelt werden konnte, wurde nach den Plänen unseres damaligen Sportleiters Friedhelm Kiene umgesetzt und bietet auch heute noch die Kulisse unseres alljährlichen Adlerschießens.

Nachdem im Jahre 1997 unsere damalige Vereinsgaststätte Kunstmann an die Stadt verkauft und umbenutzt wurde, fand sich der Schützenverein erneut in der misslichen Lage, einen neuen Raum für unser Vereinsleben zu finden. So wurde der Beschluss gefasst, ein eigenes Schützenhaus im Garten der ehemaligen Gaststätte Kunstmann, angrenzend an den Schießstand, zu bauen. So wurde 1998 unser heutiges Schützenhaus an der Brockhagener Straße fertiggestellt, und zwar in völliger Eigenleistung. Denn das Besondere an unserem ländlichen Schützenverein ist, dass hier jedes Mitglied zu aktiver Mitarbeit aufgerufen ist. Jeder tat, was er kann. So wurden viele Handwerkerstunden von den Mitgliedern geleistet, um das zu schaffen, was wir heute unsere Heimat nennen.

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